Frisch ans Werk

Mein unangefochtener  Lieblingsplatz in diesen Tagen ist der Keller. Da kann man wunderbar Regale streichen oder der Waschmaschine bei der Arbeit zusehen. Da ich mich aber leider nicht den ganzen Tag dort verstecken kann und irgendwann wieder ans Tageslicht kommen muss, hab ich mir eine andere Abkühlung gesucht. Eistee!

Schon seit längerem auf meiner „Selbstversuche“-Liste steht Cascara. Cascara ist ein Tee bzw. Aufguss aus den Schalen der Kaffeebohnen. Man könnte auch sagen, der ganze Abfall, den die Kaffeetrinker so produzieren. Gefunden habe ich diese jahrhundertealte Spezialität im Online-Shop von Green Cup Coffee. (Hier gibt es übrigens auch alles Wissenswerte über die Herkunft und Zubereitung, nicht nur von Cascara, sondern auch von all ihren anderen Kaffeesorten).

Der Geruch der Kaffekirschen erinnert mich an getrocknete Früchte. Eine Mischung aus Feigen und Rosinen. Das Aussehen…seht selbst…

GreenCup Cascara

Cascara

Inspiriert von den Eistee-Rezepten und den erfrischend aussehenden Fotos auf dem Green Cup Blog hab ich mich ans Werk gemacht. Ich sollte an dieser Stelle noch mal wiederholen, dass ich so meine Probleme damit habe, mich exakt an ein Rezept zu halten. Ich hab mich für die heiß aufgebrühte Variante mit Gewürzen entschieden. Da ich natürlich mal wieder nicht im Haus hatte was im Rezept stand, gab es bei mir folgende Zutaten: Cascara, etwas Honig, Kardamom, Zimtblüten,Vanille und Zitronenschale.

Cascara Eistee

Das Ergebnis kann sich aber durchaus trinken lassen. Der erste Schluck ist natürlich etwas überraschend. Der Geschmack ist so ganz anders als Tee oder Eistee, und mit Kaffee hat es auch nicht so wirklich viel gemein. Wer im Sommer mal Lust auf etwas Exotik im Glas hat, der sollte unbedingt mal den Selbstversuch wagen.

Sonnige Grüße

Gwendolyn

 

Wieder Kind sein

Pausenbrot…da kommen Erinnerungen hoch. In der Dose durchgeschüttelte Brote, der Käserand schon leicht eingetrocknet, der Frischkäse ins Brot eingezogen, welke Salatblätter. Da freut man sich doch auf die Mittagspause in der Schule, oder?

Zu den Vorzügen des Erwachsenseins gehört auch der Besitz von Führerschein und Auto. So konnte ich mich diese Woche auf den Weg nach Richterich machen um die neue Generation der Pausenbrote zu probieren. Die gibt es in Aachens neuem Frühstücks-Mittags-Ausflugs-Café namens …tadaaa….Pausenbrot.

Kaffeekunde

Der Name ist Programm. Brot gibt es hier. Ganz viel, ganz unterschiedlich und köstlich belegt, mit lustigen Namen wie Landschulheim, Freischwimmer oder Einser-Kandidat. Die Grundlage für die Hauptdarsteller kommt aus der Traditionsbäckerei Mannebach. Köstlich! Dazu noch hausgemachte Mayonnaise! Ich krieg mich gar nicht mehr ein!

Landschulheim

Es darf hier aber auch gefrühstückt werden. Für den Nachmittag stehen frische Waffeln und Kuchen auf der Karte. (Leider) war ich nach meinem Brot schon so satt, sonst hätte ich noch etwas anderes probiert. Die frisch gebackenen Cookies haben mich so angelacht.

Durstig bleibt hier natürlich auch keiner. Und es warten ein paar Spezialitäten auf euch! Probiert unbedingt die hausgemachte Limonade und (da werd ich wieder zum Kind) Cappuccino brûlée. Mit dem Löffel die feine Karamellschicht auf dem Milchschaum durchbrechen…ein Traum!

Cappuccino Brûlée

Am besten, ihr überzeugt euch alle selber davon. Von der Qualität der Speisen und Getränke, von der detailverliebten stilvollen Einrichtung und nicht zuletzt von der Wohlfühlatmosphäre, die Gastgeber und Team schaffen.

Detailverliebt

Eure Gwendolyn

Geschmacksthesaurus

Eine Frage geistert mir schon seit geraumer Zeit durch den Kopf: Kann man Geschmack lernen? Oder anders gesagt, was unterscheidet Kochbuchköche von den Improvisierern?

Ich glaube ja, dass es in der Küche zwei Arten von Menschen gibt. Köche und Bäcker. Kochen lässt, sofern man die Grundlagen beherrscht, viel Raum für Experimente. Und wenns mal nicht schmeckt wie erwartet, kann man relativ leicht nachwürzen und mit einigen Tricks korrigieren. Beim Backen sieht das schon anderes aus. Ein gutes Rezept ist eigentlich unumgänglich. Zwar kann man hier nach eigenem Geschmack noch abwandeln, aber ist der Kuchen erst mal im Ofen…naja…das Verhältnis der wichtigsten Zutaten sollte schon stimmen. Selten habe ich jemenden getroffen, der beides mit gleicher Leidenschaft und Leichtigkeit betreibt.

Ich gehöre wohl eher zu den Köchen. Kühlschrank auf, Reste raus, alles in den Topf und mal sehn was dabei raus kommt. Noch eine Hand voll frische Kräuter drüber, fertig!

Aber zurück zum Geschmack. Für alle, denen das Zutaten-Jonglieren nicht in die Wiege gelegt wurde, die nach ein wenig Inspiration suchen oder einfach nur gerne lesen, habe ich heute eine ausgefallene Buchempfehlung.

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Der Geschmacksthesaurus von Niki Segnit ist eine Art Ideensammlung für Geschmackskombinationen. 99 Geschmacksrichtungen aufgeteilt in 16 Familien des Geschmacksrades werden hier beleuchtet. Beispielsweise die Familie der erdigen Aromen mit den Geschmacksrichtungen Pilze, Aubergine, Kreuzkümmel, Rote Beete, Kartoffel und Sellerie.

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Zu jeder Geschmacksrichtung sind dann mal mehr mal weniger Paarungen beschrieben. Einige mit wissenschaftlich anmutenden Erklärungen, andere mit Rezepten, Anekdoten oder Küchenweisheiten.  Alles in allem eine kurzweilige Lektüre die keineswegs den Anspruch erhebt, vollständig zu sein. Aber 4851 Kombinationen sollten doch ausreichen um sich neue Anregungen zu holen.

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Wer sich intensiver damit beschäftigt findet darüber hinaus dann auch weitere Kominationen. Denn die Welt des Geschmacks ist doch irgendwie logisch. Ein Beispiel aus meiner Erfahrung. Kaffee und Schokolade passen super zusammen (getestet in diversen Milchkaffeegetränken oder den tollen schokolierten Kaffeebohnen), Orangenschokolade ist großartig (von Valrhona), also müssten doch Kaffee und Orange auch zusammen passen. Ich sag nur Barraquito. Eine Kaffeespezialität aus Teneriffa mit Zitruszesten und Zimt. Auch im Orient veredelt man gerne Kaffee mit Orangensaft und Schale.

So abgedroschen es auch klingt, am Ende bleibt Geschmack doch etwas sehr Subjektives. Und darüber sollte man nicht streiten. Aber mutig sein und Ungewöhnliches wagen kann ich jedem nur ans Herz legen.

Eure Gwendolyn

 

Heute nehme ich mir Zeit

Normalerweise berichte ich an dieser Stelle über Restaurants oder andere Stätten des guten Geschmacks. Heute ist es zwar auch eine Kaffeebar, doch steht hier nicht die neuesten Trends der Barista-Szene oder ausgefallene Kuchenkreationen im Mittelpunkt. Außergewöhnlich bei TAKE YOUR TIME ist das Zahlungsmittel. Bezahlt wird mit Zeit.

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Das Konzept der zwei Kunststudenten aus Maastricht bewegt sich irgendwo zwischen Kunstperformance und moderner Unternehmensführung.

Auf der Karte stehen Kaffee, Tee, Kakao und Saft. Zum Naschen gibt es selbstgebackene Brownies oder Muffins. Wo auf einer normalen Speisekarte die Preise in Euro angegeben sind, stehen hier Minuten. Kinder erhalten 5 Minuten Zeitrabatt. Es gibt sogar einen Menüpreis für Getränk und Kuchen mit einer Zeitersparnis von 5 Minuten.

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Zuerst muss ich meinen Bestellzettel ausfüllen. Eine Eieruhr zählt meine Wartezeit runter. Diese muss ich allerdings in einem eingezeichnetem Bereich verbringen. Wenn ich ihn verlasse, verfällt meine Bestellung. Was also anstellen mit der Zeit? Heute ist der Andrang nicht so groß. Wir warten nur zu zweit und können uns ausgiebig unterhalten. Wir kommen von unseren Berufen über die aktuelle Ausstellung im Ludwig Forum, Zwiebelkuchen mit Federweißer hin zu der Frage, was eigentlich mit der erwirtschafteten Zeit geschieht. Ignorieren? Verfallen lassen? Oder ganz im Sinne eines Unternehmens weiter damit wirtschaften? Also verleihen und später mit Zinsen wieder zurück zahlen. Und schon sind 20 Minuten wie im Flug vergangen. Das ging ja wirklich schneller als gedacht.
Mit unseren Getränken und Gebäcken machen wir uns auf zu den Sitzsäcken und reden weiter. Das Zeitgefühl haben wir irgendwie verloren.

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Das Projekt läuft hier in Aachen auch nur auf Zeit. Bis Sonntag noch ist die Take Your Time Bar im Ludwig Forum (11.00 – 18.00).
Ich werde mir noch mal die Zeit nehmen und vorbei schauen.