Einfach nur Tourist sein

Ganz spontan, ohne Vorbreitung oder Planung bin ich über Pfingsten nach Prag gefahren. Gefühlt die halbe Welt mit mir! Anreise und Übernachtung zu buchen waren gar nicht so einfach und am Ende blieb mir nichts anderes übrig, als knapp 13 Stunden mit dem Fernbus durch die Gegend zu fahren und in einem Schlafsaal im Hostel zu übernachten.

Karlsbrücke

Wer noch nicht in Prag war, dem kann ich eine Reise nur wärmstens ans Herz legen. Gerne auch etwas länger als nur drei Tage. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben. Ich hab mich daher für das Touristen-Standart-Paket entschieden: Viele alte Häuser bewundern, essen, Kaffee trinken, auf die andere Uferseite wechseln, viele alte Kirchen bewundern, essen, Kaffee trinken, wieder rüber, Straßenmusik, Bier trinken, essen, Altstadt bei Nacht bewundern, Absinth trinken, vielleicht noch was essen.

Essen…da sind wir ja schon gleich beim richtigen Thema. Nichts geht über Spezialitäten um eine fremde Stadt kennenzulernen. Eine davon in Prag heißt trdelník (ein Hoch auf alle, die das aussprechen können).

trdelnik

Sieht fast aus wie ein Baumkuchen, wird aber aus Hefeteig hergestellt. Frisch gebacken wird er an jeder Ecke angeboten, an Marktständen oder in kleinen Läden. Der schönste Shop ist eindeutig Řemeslná pekárna Krusta in der Altstadt (Karlova 44).

_DSC0997 Krusta

Frisch gewickelt und gebacken, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

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Alles zu beschreiben, was ich gesehen und verkostet habe, würde hier den Ramen sprengen. Zu viel Text auf einmal will ja keiner lesen. Aber ein paar Highlights habe ich noch für euch:

kavarna obecni dum

Kavárna Obecní dum, ein opulentes Jugenstilcafé. Hier gibt es Apfelstrudel zum Frühstück!!!

Jazz Club Reduta, wunderbarer Jazzkeller mit Bar. Bier fließt aus einem Saxophon-Zapfhahn, wohl einzigartig.

John Lennon Pub, liebevoll und detailreich eingerichtete Hommage. Direkt gegenüber liegt die John Lennon Wall, eine bunte Graffiti-Wand mit immer neuen Friedesbotschaften.

Die Absintherie ist ein Muss für alle Absinthfans. Nicht nur klassisch serviert, sondern auch als Cocktail (zum Beispiel Absinth Mule mit Ginger beer)

Captain Candy

Captain Candy. Leuchtende Augen und Reitzüberflutung!!! Jede Menge Süßigkeiten in piratenmäßig durchgestyltem Shop.

…und natürlich traditionelle böhmische Küche an jeder Ecke. Mhhh. Beispielsweise Gulschsuppe im Brotlaib. Essen muss ja schließlich Spaß machen.

In diesem Sinne…viel Spaß und volle Bäuche im Urlaub.

Eure Gwendolyn

Zeitreise

Letztes Jahr habe ich zufällig mitbekommen, wie mittels Crowdfunding Unterstützer für eine außergewöhnliche gastronomische Idee gesucht wurden. Das hat mich natürlich neugierig gemacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, einen kleinen finanziellen Beitrag zu leisten um Aachens Kneipenlandschaft erheblich zu bereichern. Mein Name wurde sogar auf der Support-Tafel verewigt. Im Oktober hat die Bar dann eröffnet.

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Meine Damen und Herren, herzlich willkommen im Grotesque! Die Absinth-Bar ganz im Stil der 1920er Jahre, wirklich einzigartig in Aachen.

Jetzt habe ich es auch endlich mal dorthin geschafft und, was soll ich sagen, man erlebt tatsächlich eine kleine Zeitreise. Sobald man die Flügeltüren aufstößt wird man von einer kräuterigen Duftwolke empfangen. Stimmungsvolle Musik und eine detailreiche Einrichtung laden ein, die Welt draußen zu vergessen.

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Ich habe noch nie Absinth getrunken. Ich hab mich nicht getraut. Es wirkt ja auch etwas geheimnisvoll und mystisch. Man trinkt ihn auch nicht einfach so, sondern zelebriert ein kleines Ritual. So ganz ahnungslos wie ich war, war ich heilfroh über eine Geschmacksberatung. Anhand von drei Fragen (nach der Intensität von Anis, Lakritze und der Süße) wurden mir zwei Absinthe aus der über 20 Sorten umfassenden Karte empfohlen. Ich hab dann den mit dem hübscheren Namen genommen.

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Serviert wird Absinth in recht großen Gläsern, mit einem Zuckerlöffel, einem Zuckerwürfel und standesgemäß mit dieser aufwendigen Wasserfontäne. Damit lässt man langsam Eiswasser auf den Zuckerwürfel tropfen bis dieser sich aufgelöst hat. Dabei verfärbt sich auch das Getränk. Der anfangs klare Absinth (egal ob grün, gelblich oder farblos) wir mit jedem Tropfen milchiger und trübe. Wie bei den meisten hochwertigen Getränken verändert sich das Aroma und der Geschmack mit der Temperatur. Langsam steigen einem die Kräuter in die Nase.
Dank der kompetenten Beratung habe ich übrigens eine gute Wahl getroffen. Hieronymus Bosch Verte.

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Wer keinen Absinth möchte findet auf der gut zusammengestellten Getränkekarte mit Sicherheit auch etwas anderes. Vielleicht einen Gin (jeweils mit Tonic-Empfehlung), Whisky von der Tageskarte oder belgisches Bier. Die Leffe Auswahl soll demnächst noch erweitert werden. Man darf gespannt sein.

Wir sehn uns also wieder im Jahr 1920!

Eure Gwendolyn